Das bunte Segel des Auslegerbootes verschwindet allmählich am Horizont, während in der kleinen Lagune wasserdichte Säcke mit Vorräten schaukeln. Rasch werden Gerätschaften und Packsäcke an den Strand gehievt – es gilt der Abgeschiedenheit dieser insularen Isolation zu trotzen: Alexander Selkirk, von Daniel Dafoe 1719 in dem weltberühmten Roman „Robinson Crusoe“ verewigt, steht Vorbild für diese kleine Auszeit von Zivilisation und Komfortzone.

Zunächst gilt es, einen passenden Lagerplatz zu finden. So idyllisch die grüne Palmenreihe auch zunächst erscheinen mag – herabfallende Kokosnüsse stellen in den Tropen eine ernstzunehmende Gefahr dar: Unzählige Menschen werden jedes Jahr von diesen kiloschweren Früchten erschlagen. Auch einsame Inseln besitzen überaus sensible Ökosysteme, in denen sich der vorsichtige Strandläufer einrichten muss.

Für das einfache Camp – ein Platz im Schatten ist  überaus sinnvoll – reichen ein paar gesammelte oder geschlagene Äste, die das Tarp und Moskitonetz tragen. Ein Regen- und Sonnenschutz ist elementar, dazu läßt sich nach Bedarf mit kurzen Leinen das feinmaschige Moskitonetz knoten. Schlafmatte und Baumwolllaken ersetzen das Hotelbett – auf lästige Stechfliegen sollte dabei geachtet werden. Strandcamper sollten ebenso auf Tidenhub und Brandung Rücksicht nehmen, auch auf wechselnde Wetterbedingungen wie Seebeben und Taifun.

Einheimische Fischer halten sich an einfache Beobachtungstechniken, um anrückende Taifune zu erkennen. Es sind vorwiegend nördliche Winde, die sich stetig verstärken, auf die geachtet werden muss. Ein auffallend klarer Himmel, verbunden mit ungewöhnlich guter Sicht, sollte misstrauisch machen. Ein dünner Cirrus ist ein Warnsignal, aber auch in der Jahreszeit ungewöhnliche Niederschläge können das Anrücken eines Sturmfeldes verkünden. Gerade die Monate September und Oktober gelten als Zeit der „Killerstürme“.

Mit dem Messer wird zunächst die leere Wasserflasche aufgeschnitten, eine Kerze mit heißem Wachs auf dem Plastikboden befestigt und anschließend das fertige Windlicht im Camp aufgebaut. Das Tageslicht muss genutzt werden. Dann steht die Nahrungssuche an, die einen echten Robinson durchaus den ganzen Tag beschäftigen kann. Mithilfe von Angelhaken oder einfachen Netzen läßt sich der Tisch rasch decken, sofern Geduld und Glück mitspielen. Filipinos angeln auch oftmals mit einer Plastikflasche, über die sich bei Anbiss die Schnur aufrollen läßt. Ebenso ist das Speerfischen im Archipel immer noch sehr populär, auch wenn am Gürtel gehakte Beutetiere oftmals kapitale Jäger wie Riffhaie oder Barrakudas anlocken.

Bei der Arbeit am Riff gilt es, auf giftige Meerestiere zu achten, die sich im Stellnetz verfangen können. Seeschlangen – alle auf den Philippinen vorkommende Arten gelten als tödlich giftig – genießen hier einen besonders schlechten Ruf, aber auch Zitterrochen und Rotfeuerfische sind schon einigen Aussteigern zum Verhängnis geworden. Haiangriffe im Zusammenhang mit harpunierten Fischen sind belegt. Auch viele giftige Meerestiere verstecken sich zwischen den Korallen, wie etwa Kegelschnecke, Feuerqualle oder der sehr gefürchtete Steinfisch: Niemals auf Korallenböden waten! Meerestiere wie der Kugelfisch enthalten Nervengifte, die auch durch Abkochen nicht zerstört werden. Barrakudas – oftmals als große Einzelgänger unterwegs – haben im trüben Flachwasser schon Fischer und Angler angegriffen.

Tropische Tigerhaie jagen nachts ebenfalls an steilen Riffabbrüchen und Köderfische am Haken werden dankend verschlungen. Manch klapprige Einmann-Bangka – ideales Flachwasserfahrzeug in Küstennähe – wurde hier schon von einem angriffslustigen Tigerhai attackiert. Noch immer warten zahllose Geheimnisse der Tiefe auf ihre Entdeckung, verwundbar und wunderbar zugleich. Im Korallendreieck des Indopazifiks – zwischen den Philippinen, Malaysia und den Salomonen – konzentriert sich eine einzigartige Artenvielfalt der Weltmeere: Fast die Hälfte aller Korallenbänke dieser Erde. Auch wenn diese schillernden Paradiesgärten nur 0,1 Prozent des Meeresgrunds bedecken und viele davon bei der globalen Bleiche von 1998 beschädigt wurden.

Der Fang wird auf einem rustikalen Holzfeuer in der Wildnis zubereitet, wobei der Innenbast der herumliegenden Kokosnüsse als Zunder dient. Treibholz findet sich zuhauf am Strand und auf den Sandbänken – ein Gaskocher ist Luxus für Verwöhnte und unnötiger Ballast im Gepäck. Streichhölzer und Taschenlampe hingegen sollten nicht fehlen. Die philippinische Campküche bereichern einige Zutaten wie Papaya, Mango oder Ananas, die sich auf jedem Markt erstehen lassen. Fertigsuppen für unterwegs gibt es in deutschen Outdoor-Läden zu erstehen, aber vor Ort kann man auf alternative Rezepte ausweichen: Die einheimische Sinigang-Suppe aus Seetang ist sehr zu empfehlen. Zu gekochtem Reis – das täglich Brot auf den Philippinen – lassen sich gebratene Bananen oder getrockneter Tintenfisch kombinieren. Fahrtensegler wissen: Zwiebeln sind lange haltbar und sorgen für Würze und Vitamine. Pfefferkörner, Limonen, Knoblauch – in Alufolie eingewickelt – garantieren Abwechslung im Geschmack und Küchenplan. Geräuchert wird auch eine simple Pferdemakrele zum Genuss – oft gefangen mit Schleppangel und Lebendköder an äußeren Riffabbrüchen und Steilwänden. Mit zwei Mahlzeiten am Tag kommt man ohne Probleme aus. Für den Abwasch nutzt man einen Schwamm, der sich auf dem Korallenriff findet.

Das mit Abstand wichtigste Kriterium für ein erfolgreiches Inselleben heißt aber Wasser. Kanister oder Wasserflaschen sollten mitgebracht werden, mit rund fünf Litern Verbrauch täglich ist zu rechnen. Im Fachhandel werden auch Entkeimungstabletten angeboten, aber ambitionierten Robinson-Jüngern sei hier das JEST Survival Camp in Subic Bay empfohlen. Dort schulen ehemalige und lederzähe Army-Ranger potenzielle Waldläufer nicht nur darin, aus grünem Bambusholz Wasser zu schlagen. Kurzum: Mit einfachsten Methoden in der Wildnis zu überleben, dazu zählt auch eine kleine Pflanzenkunde für die Buschküche.

Einige Robinson-Inseln wie der Südseetraum Guaym bei Siargao Island lassen sich problemlos per Tagesausflug besuchen, andere wie Cresto de Gallo bei Sibuyan Island nur mit auslaufenden Fischern, mit denen auch ein Abholtermin und Notfallsignal verabredet werden sollte. Robinson-Freunde und Angler finden auch auf der traumhaft schönen Insel Potipot Island nahe Masinloc (West-Luzon) ihr Paradies, wo man auf jeden Fall ein kleines Zelt mitbringen sollte.

Rund 35 Seemeilen westlich von Mindoro liegt eine der berühmtesten Robinson-Inseln der Philippinen: Apo Island. Ein Paradies für Taucher und Schnorchler, aber auch für Aussteiger auf Zeit. Eine Ranger Station und ein Leuchtturm sorgen für Orientierung in dieser submarinen Wunderwelt der Atolle, die nur mithilfe von gecharterten Fischerbooten oder Live-aboard-Tauchbooten erreicht werden kann. In Puerto Galera auf Mindoro bieten etliche Tauchschulen Ausflüge zum Apo Reef Nationalpark an, zumeist im Frühjahr von März bis Mai, wenn die Wetterbedingungen erstklassige Sichtweiten erlauben. Die kürzeste und damit preiswerteste Anreise erfolgt auf eigene Faust von San Jose/Mindoro.

 

Unterkunft

Manila: Santo´s Pension House, 1540 A. Mabini Street, Ermita, Manila, (632) 523-4896, E-Mail: santospension@gmail.com. Beste Budget-Option mit sauberen Zimmern (Fan, Gemeinschaftsbad) ab 700 Peso. Mit AC und Bad etwas teurer. Hier wurde selbst eine vergessene Sonnenbrille bis zur Rückkehr aufbewahrt. Mabini Pension House, 1337 A. Mabini Street, Ermita, Manila, (523) 3930, E-Mail: reservations@mabinipension.com. Saubere Zimmer (Fan, Gemeinschaftsbad) ab 780 Peso, mit AC und Bad etwas teurer. WiFi, Frühstück und nettes Management. Nebenan kann man zu guten Kursen beim Money Changer Geld wechseln. Gute Verbindung nach Manila via Istanbul mit Turkish Airlines in rund 18 Stunden.

Wann reisen?

Ideale Reisezeit für Outdoor-Freunde und Wassersportler ist von Dezember bis Mai, danach wird es deutlich heißer und ab Juni ist auch mit Regenfällen zu rechnen. Tropische Tiefs und Taifun-Windstärken können Landrutsche auslösen und harmlose Bäche in stürzende Wildwasser verwandeln. Der Hauptmonat für Taifune ist der September. Ab November baut sich dann wieder der Nordostmonsun auf – ein Hochdruckgebiet, das die gesamten Philippinen beeinflusst.

Wo anklopfen?

Philippine Department of Tourism, Kaiserhofstraße 7, 60313 Frankfurt am Main, Telefon: 069 20893, E-Mail: info@diephilippinen.de, Internet: http://www.diephilippinen.de. Informationen über die Philippinen auch in zahlreichen Blogs und Foren wie http://www.philippinenforum.net, http://www.philippine-travel.com.

Was kostet es?

Das Preisniveau in den ländlichen Gebieten ist weitaus niedriger als auf den touristisch relevanten Inseln wie Boracay, Bohol oder auch Palawan. Einfache Unterkünfte (ohne AC) ab umgerechnet 12 Euro, Tellergerichte im Restaurant ab umgerechnet drei Euro. Die besten Wechselkurse gibt es gleich bei der Ankunft am Flughafen von Manila. Wechselkurs: 1 Euro = 63 Peso (Stand: Mai 2018).

Mehr erfahren

Der ehemalige Flottenstützpunkt United States Subic Naval Base auf Luzon ist auch Ausgangspunkt für Ausflüge an die Südostflanke des Vulkans Mount Pinatubo, wo der gleichnamige Kratersee erkundet werden kann. Seit dem Rückzug der US-Streitkräfte wird die Fläche der ehemaligen Militärbasis kommerziell genutzt. Rund um die heutige Industrie- und Freihandelszone Subic Bay Freeport Zone (SBFZ) wurden Vergnügungs- und Wildparks eingerichtet, die viele einheimische Touristen anziehen. Der Tree Top Adventure Park bietet z. B. Outdoor-Aktivitäten wie Canopy oder Trekking-Touren: www.treetopadventureph.com. Im Jungle Environment Survival Training (JEST) Camp kann man an Überlebenskursen oder Nachtwanderungen im Regenwald teilnehmen. Die nahegelegene Bataan-Halbinsel war während des Zweiten Weltkriegs heftig umkämpft und Ausgangspunkt für den Todesmarsch von knapp 80.000 alliierten Kriegsgefangenen. Mehr bei Jens Peters Publikationen.

Ausrüstungs-Tipps

Leichtzelt/Tarp, Moskitonetz, Taschenmesser, Taschenlampe, Streichhölzer (wasserfest), Isomatte, Baumwoll-Inlet/Schlafsack, Schnur, Karabinerhaken, Entkeimungstabletten, Kerzen, Wachsfackel, Kochtopf, Taucherbrille, Schnorchel, Plastiktüten/Müllsäcke, Signalpfeife, Mobiltelefon, Solarzellen, Essgeschirr, Holzbecher, Schmerztabletten, Signalspiegel, Angelhaken/Netz/Schnur, Drahtvorläufer, Pinzette, Nähzeug, Schere, Machete (vor Ort erhältlich), Alu-Trinkflasche, Sonnenhut, Notproviant, Wundsalbe, Antibiotika, Verbandszeug, Angelrute, Alufolie, Badeschuhe/Booties, Autan, Tiger Balm, Tauchgürtel, Tauchermesser.

© Text und Foto Ralf Falbe 2018