Mit dem Kanu auf Ems und Hase

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    Rund um das Emsland erstrecken sich Moore, Weiler und Buchenwälder. Ein Eldorado für Kanuten, Angler und Outdoor-Freunde, in unmittelbarer Nähe des größten zusammenhängenden Moorgebietes Mitteleuropas, dem Internationalen Naturpark Bourtanger Moor sowie  dem Ferienzentrum Schloß Dankern. In der Region zwischen Ems und Hase  lassen sich urige Badestellen, reiche Fischgründe und stille Seitenarme erkunden. Genusspaddler stoßen hier in der blutroten Abenddämmerung der Hase auf eine unberührte Waldkulisse, die beinahe an das ferne Finnland erinnert. Die Hektik der Großstädte und Ballungszentren scheint weit entfernt. Über 440 km erstrecken sich die Wasserwege für Kanuten im Emsland – allesamt mühelos befahrbar, oftmals nur 12 km von der niederländischen Grenze entfernt.

    Die Schleusenanlage bei Aschendorf trennt die Mittlere Ems – ehemaliges Überschwemmungsgebiet – von der Unterems, die bis zu den Schleusentoren tidenabhängig ist. Der Tidenhub liegt je nach Wetterbedingung und Mondeinfluss bei 2,5 m bis 3 m. Bei Lingen treffen schließlich die Ems, der Dortmund-Ems-Kanal und der Ems-Vechte-Kanal aufeinander. Die Gegend ist nicht nur bei Anglern und Wassersportlern beliebt, auch Radfahrer und Wanderer finden ihr Eldorado: Hier in Nordwestdeutschland trifft man auf eine hohe Anzahl jungsteinzeitlicher Großsteingräber (ca. 3500 – 2700 v. Chr.), die mit rund 70 Monumenten die Epoche der Bronze- und Eisenzeit dokumentieren.

    Stundenlanges Paddeln, Sonnenbaden, Angeln: An vielen Ecken der Kanäle kann man die Ruhe auf dem Wasser unbeschwert genießen. Es geht in Schepsdorf bei Lingen zunächst entlang der grün bewachsenen Schilfufer mit den vielen Libellen, wo sich das Wasser nicht so kabbelig zeigt wie in der Mitte der Ems. Die Strömung ist moderat, das Kanu leicht zu meistern, der Paddler neugierig. An den ersten Wehren angekommen, wird das Boot von kleinen Wellen umspült. Erste Blasen zeigen sich an den Händen. Wehre stellen ernsthafte Hindernisse dar, die eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordern. Es gilt nun, dieses Hindernis zu umtragen, auch wenn die geringe Stauhöhe einen eher harmlosen Eindruck vermittelt. Ein paar Wanderer mustern dabei neugierig das tanzende Kanu mit den fremden Gestalten, bieten ihre Hilfe an. Wenig später führt das Boot wieder Wasser unter dem Kiel: Das Paddeln wird zum sportlichen Genuss, das Kanu durchschneidet schmatzend die Wasseroberfläche, die übersäuerten Muskeln entspannen sich merklich.

    Die Brassenregion Mittlere Ems zeichnet sich durch verschiedenste  Gewässer aus, die alle überaus fischreich sind: Die schiffbare Ems mit einer moderaten Strömung, die Nebenkanäle sowie stehende Gewässer wie blaue Donau, Ems-Hafenbecken oder auch Forellenteiche. Die Niederung der Hase – insgesamt versorgen über 30 Nebenflüsse Deutschlands 371 km langen Strom – mündet bei Meppen in die Ems, wo auch der Dortmund-Ems-Kanal verläuft. Die vielen Seitenarme, Teiche mit Schilfgürtel und stehenden Gewässer sind auch Friedfischreviere.

    Vor dem Boot zeigt sich alsbald ein Ausläufer der nahenden Heidelandschaft, eine willkommene Abwechslung beim schlingernden Rutschen auf der sanften Flusswelle. Nicht nur für das Befahren von Ems und Hase gelten strenge Regeln, auch das Angeln unterliegt hier behördlichen Auflagen. Ab Ende der Hechtschonzeit im Mai lassen sich kapitale Brocken wie Aal, Karpfen oder Barsch mit einem eindrucksvollen Drill fangen. Nach etwa zwei Stunden erreichen wir die Flussbiegung von Wachenwald und ziehen die Boote mit vereinten Kräften an Land, wo sie später das Team vom Kanu-Camp Lingen abholen wird. Am Ende der Straßenbiegung liegt das Landhaus Kiebitz mit einem schönen Biergarten an der Dalumer Straße – Zeit für einen stärkenden Imbiss in der Sonne.

    Anschließend geht es zur zweiten Etappe auf der Hase mit Ausgangspunkt Lehrte – Endziel ist Bokeloh in Richtung Meppen, ein etwa zweistündiger Paddeltörn. Es ist Samstag, ein wunderschöner Sommertag und die Hase ist sehr beliebt bei Kanuten – entsprechend groß gestaltet sich der Andrang. Eine rechtzeitige Reservierung der Boote scheint empfehlenswert.

    Der warme Gegenwind pfeift nun. Spritzwasser trifft das Vorschiff – eine mitgebrachte Trockenbox im Cockpit bewährt sich und die Kamera bleibt trocken. Über dem Boot zieht ein Habicht majestätisch seine Kreise, während in der Ferne Kraniche abheben. Rasch wandert das Fernglas in die bereits schmerzende Hand, aus einer schlichten Kanutour wird eine ornithologische Expedition. In der Ferne tauchen die charakteristischen Bieberburgen im dicht bewachsenen Schilfufer der vielen Flussbiegungen auf, in der letzten Eiszeit von Gletschern geformt und Brutstätte der vielen Wasservögel. Blütenteppiche und Seerosen ziehen auf dem kabbeligen Wasser vorüber, wir passieren eine markante Stahlbrücke. Der trübe Flusslauf mäandert zwischen urigen Wäldern und Sandbänken, gewunden wie eine grüngemusterte Schlange.

    Weit, nass, grün: Eine Wanderfahrt, die alle Erwartungen an ein Mikro-Abenteuer vor der Haustür erfüllt. Am frühen Abend dann wieder Landgang an dem markanten Holzsteg in Bokeloh, wo die Kanuten ihre Boote eine kleine Steigung hinauf tragen müssen. Das Verleih-Team hilft tatkräftig mit, hier werden alle Kanus wieder eingesammelt und mit dem wartenden Transporter abtransportiert. Schwimmwesten, Tonnen und Wetbags wechseln die Besitzer, aus den Rucksäcken werden trockene Klamotten  gekramt. Erschöpft taumelt die Gruppe den Hang empor, überquert die Landstraße der emsländischen Haselandschaft und steuert das historische Gasthaus Giese an. Grillfeuer lodern auf, es duftet nach würzigem Grillfleisch in dem heimeligen Biergarten. Wir Kanuten schwärmen noch von der Badestelle an der malerischen Sandbank und den geheimnisvollen Bieberburgen, während nebenan ein Angler stolz seinen Tagesfang räuchert. Ein stilvoller Genuss nach einem spannenden Outdoor-Tag in einer beeindruckenden Wassersport-Region.

    Basiswissen:

    Unterkunft

    Ob Gemeindehaus, Scheune oder Campingplatz: In den umliegenden Gemeinden Meppen, Haren oder Lingen finden sich Unterkünfte für jeden Geschmack und Geldbeutel. Ferienwohnungen, Tagescampingplätze sowie Bed & Breakfast sind möglich. Das Hotel Pöker in Meppen, www.Hotel-Poeker.de, genügt auch höheren Ansprüchen und ist nicht weit vom Bahnhof gelegen. Der Sportanglerverein Haren e. V.,  https://savharen.de – Tel.: 05932 / 50 42 53, hilft oft Anglern bei der Suche nach einem geeigneten Campingplatz in Vereinsnähe. Informationen über weitere Unterkünfte in der Region erhält man beim Tourismusverband Emsland, www.emsland.com, Tel.: 05931 / 44 22 66.

    Wo anklopfen?

    Emsland Touristik, www.emsland.com. Touristeninformation Meppen, www.meppen-tourismus.de. Stadt Haren, www.haren.de. Lingen Wirtschaft & Tourismus e. V., www.tourismus-lingen.de. Naturschauspiel Moor, www.naturpark-moor.eu.

    Wie ankommen?

    Ein eigenes Fahrzeug ist empfehlenswert. Ansonsten sind die Städte Meppen oder Lingen ideale Ausgangspunkte als Basislager für Kanutouren auf Ems und Hase.

    Kanu & Angeln

    Kajaks und Kanus lassen sich mitsamt Schwimmwesten im Kanu-Camp Lingen mieten, Nordhorner Straße 1b, 49808 Lingen, Tel.: 0591/831 214, www.kanucamp-lingen.de. Ebenso beim Campingplatz Meppen, An der Bleiche 1a, 49716 Meppen, Tel.: 05931/16411, www.campingplatz-kanuverleih-meppen.de oder Hase-Erlebnis-Tour, Teglinger Straße 38, 49716 Meppen, Tel.: 05931/2522, www.haseerlebnistour.de. Ein wasserdichter Sack für Kamera oder Wertsachen wird von den Vermietern gratis mitgegeben, manchmal auch eine gut verschließbare Plastiktonne. Ebenso sollte ein kleines Briefing zur geplanten Paddeltour erfolgen. Ein kleiner Tampen zum Festmachen, Sonnenhut und Sonnenschutz gehören ebenfalls ins Reisegepäck. Das Emsland ist auch ein Eldorado für Raubfischangler: Die fischreiche Brassenregion Mittlere Ems  beeindruckt durch hervorragende Fangaussichten und freundliche Anglervereine:  Da, wo Hecht und Wels beißen, erfahren nicht nur angelnde Besucher eine herzliche Gastfreundschaft und großzügige Auskunft über die besten Reviere. Info: Angelbedarf Kötter, Daimlerstraße 8, 49733 Haren/Ems, Tel.: 05932 / 46 28, Gastkarten und Ausrüstung. Hier tauschen sich versierte Angler aus und haben auch für Gastangler gute Tipps parat. Der Forellenhof Duisenburg in 49844 Bawinkel, Tel.: 05963/489, www.forellenhof-duisenburg.de, ist eine feste Institution in der Region. In der Räucherei hängen ganze Forellen im würzigen Ofenduft und werden vakuumverpackt an hungrige Paddler und Touristen verkauft.

    Radfahren

    Im Emsland findet sich ein 300 km langes Radwegenetz durch Weiler, Seenketten und Moore – rund 45 Tagestouren stehen zur Auswahl. Zur Grundausrüstung gehört festes Schuhwerk, ein Fernglas für Wildbeobachtung, Regenjacke, Sonnenschutz, ausreichend Wasser und Reserveproviant. Ein Mobiltelefon kann im Falle von Verletzungen hilfreich sein. Wer wild kampieren möchte, sollte sich vorab über möglichen Privatbesitz des Lagerplatzes informieren. Der Dirt-Park Lingen bietet Mountainbikern rasante Outdoor-Möglichkeiten für das gelungene Mikro-Abenteuer. Touristische Radrouten im Netz: www.emsradweg.de und www.emsland-route.de.

    © Foto und Text von Ralf Falbe 2019. Mit freundlicher Unterstützung durch Emsland Tourismus. Veröffentlichung im KANU Magazin.